Nur 18,5% der EU‑Hauptstädte werden von Frauen regiert

Frauen sind als Bürgermeisterinnen in den Hauptstädten der EU‑Mitgliedstaaten deutlich unterrepräsentiert. Nur fünf von 27 Städten haben eine Frau an der Spitze.

Dennoch gehören einige dieser Städte zu den größten Metropolen Europas. In Paris amtiert die Sozialistin Anne Hidalgo bereits seit 2014 als Bürgermeisterin und wurde zweimal wiedergewählt. Sie war die erste Frau, die dieses Amt innehatte.

Bei der diesjährigen Wahl tritt sie jedoch nicht erneut an. Zuvor war sie dreizehn Jahre lang Erste Stellvertretende Bürgermeisterin der französischen Hauptstadt.

In den Niederlanden ist Femke Halsema von der Partei GroenLinks seit 2018 Bürgermeisterin von Amsterdam. Sie ist die erste Frau in diesem Amt in der über achthundertjährigen Geschichte der Stadt. Halsema, früher Mitglied der Sozialdemokraten, war zuvor Abgeordnete im niederländischen Parlament.

Karin Wanngård von den Sozialdemokraten ist seit 2022 Bürgermeisterin von Stockholm. Bereits von 2014 bis 2018 hatte sie dieses Amt inne.

In Kopenhagen war die Sozialdemokratin, Sophie Hæstorp Andersen an der Spitze der dänischen Hauptstadt. Sie war die erste Frau in diesem Amt.  Nach zwei Jahren trat Andersen im Jahr 2024 als Oberbürgermeisterin zurück, um Ministerin für Soziales in der dänischen Regierung zu werden. Sisse Marie Welling bekleidet derzeit nach den Wahlen des vergangenen Jahres das Amt der Oberbürgermeisterin von Kopenhagen. Sie gehört der Partei Socialistisk Folkeparti (SF, GrünLinks) an und ist damit die erste Nicht‑Sozialdemokrat/in seit über hundert Jahren, die dieses Amt in der dänischen Hauptstadt ausübt.

Schließlich ist in Luxemburg-Stadt Lydie Polfer von der sozial-liberalen Demokratischen Partei (DP) seit 2013 Bürgermeisterin. Schon von 1982 bis 1999 hatte sie dieses Amt inne. Polfer war außerdem Außenministerin, Stellvertretende Premierministerin und Mitglied des Europäischen Parlaments.

Die erste Bürgermeisterin der Luxemburg-Stadt war Colette Flesch (DP), die vor kurzem gestorben ist. Ab 1970 war sie zehn Jahre lang Stadtchefin.

Heute ist Polfer die einzige Bürgermeisterin einer EU‑Hauptstadt, die einer Partei der rechten Mitte angehört.

In Amsterdam und Kopenhagen haben die Grünen die jahrzehntelange Dominanz der Sozialdemokraten herausgefordert.

Erst in diesem Jahrhundert wurden Bürgermeisterinnen in den Hauptstädten der EU langsam stärker sichtbar.

Frauen spielen bei der Führung der EU‑Hauptstädte eine wichtigere Rolle als stellvertretende Bürgermeisterinnen. Rund 43,5 % sind in dieser Funktion tätig.

Bemerkenswert sind dabei folgende Fakten: Die Zahl der weiblichen Vizebürgermeister liegt zwischen Null und 17 (Paris).

In zwei Hauptstädten gibt es nur Frauen als Vizebürgermeister (Rom und Wien).

In Athen ist der Prozentsatz der weiblichen Vizebürgermeister 75%, in Madrid und Bratislava jeweils 67% und schließlich liegt auch Brüssel mit 63% über der Hälfte.

In Paris, eine der größten Städte Europas, gibt es 17 Vizebürgermeisterinnen, das ist 46 % aller Vizebürgermeister.

Bezüglich näherer Details siehe Tabelle im PDF.