Die Zahl der weiblichen Staatsoberhäupter in den EU-Mitgliedstaaten steigt auf fünf. Wahlen in Deutschland und Frankreich stehen bevor
Das estnische Parlament hat Ülle Madise zum Staatsoberhaupt gewählt. Damit erhöht sich die Zahl der weiblichen Staatsoberhäupter in den EU-Mitgliedstaaten auf fünf (18,5 %). Madise ist die zweite Frau in Estland, die dieses überwiegend zeremonielle Amt bekleidet.
Von den vier anderen weiblichen Staatsoberhäuptern wurden zwei direkt vom Volk gewählt (Irland und Slowenien), während die Präsidentin Maltas durch das Parlament bestimmt wird. Ilijana Jotova, die Anfang 2026 zur Präsidentin Bulgariens gewählt wurde, ist die erste Frau in diesem Amt. Sie trat die Präsidentschaft nach dem Rücktritt ihres Vorgängers an und wurde daher nicht direkt gewählt. Jotova kandidiert nun in der direkten Wahl, die Ende Oktober stattfindet.
Seit 1945 hatten die drei größten EU-Mitgliedstaaten, Frankreich, Deutschland und Italien, ausschließlich männliche Präsidenten als Staatsoberhäupter (Siehe den Beitrag auf dieser Website vom Juni 2026).
In Frankreich könnte Marine Le Pen im Jahr 2027 die erste Frau werden, die in das wichtige Amt der Präsidentin gewählt wird.
Nach zwei Amtszeiten muss Frank-Walter Steinmeier als deutscher Bundespräsident ausscheiden. Die nächste Wahl durch die Bundesversammlung findet Ende Januar 2027 statt. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat angeregt, dass nun erstmals eine Frau das Amt übernehmen solle, und den Namen von Ilse Aigner, der Präsidentin des Bayerischen Landtags (CSU), ins Spiel gebracht [1].
Die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin könnten den Einfluss der AfD in der Bundesversammlung stärken. Dies würde den Druck auf CDU und SPD erhöhen, sich auf eine gemeinsame Kandidatin oder einen gemeinsamen Kandidaten zu einigen.
Die Bundesversammlung
„Die Bundesversammlung besteht aus allen Mitgliedern des Deutschen Bundestages sowie der gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Volksvertretungen der
Länder gewählt werden. Insgesamt umfasst die Versammlung somit 1.260 Mitglieder (630 Bundestagsabgeordnete und 630 von den Landesparlamenten bestimmte Vertreter).
Wie viele Vertreter die einzelnen Länder entsenden dürfen, richtet sich nach ihrer Bevölkerungszahl. Die Ländervertreter müssen nach den Grundsätzen der Verhältniswahl in den jeweiligen Volksvertretungen gewählt werden. Meist handelt es sich um Landtagsabgeordnete, doch auch Kommunalpolitikerinnen und -politiker sowie Persönlichkeiten aus anderen Bereichen des öffentlichen Lebens können ein Mandat erhalten [2].“
- [1] Bundespräsident: Das nächste Staatsoberhaupt wird ganz sicher eine Frau - oder? - Politik - SZ.de
- Staatsoberhaupt gesucht: Ist Deutschland reif für eine Bundespräsidentin? | Tiroler Tageszeitung – Aktuelle Nachrichten auf tt.com
- Rufe nach einer Bundespräsidentin werden lauter | tagesschau.de 6. 08. 2026
- [2] www.bundestag.de